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White Dinner: Gemeinschaft, Stil und ein Hauch von Ironie der SSG Kaarst im Hoferhof, Kaarst

White Dinner: Gemeinschaft, Stil und ein Hauch von Ironie der SSG Kaarst im Hoferhof, Kaarst

Das Dîner en blanc, auf Deutsch „Abendessen in Weiß“, ist ein faszinierendes Phänomen des Social Dinings, das weltweit Menschen in weißer Kleidung an prominenten Orten zu einem eleganten Massenpicknick vereint. Ursprünglich in Paris entstanden, hat sich die Veranstaltung seit ihrem ersten Auftritt in Deutschland 2008 in Hannover etabliert. Doch das White Dinner ist mehr als ein stilvolles Event – es ist ein Symbol für Gemeinschaft, Freundschaft und die Freude am gemeinsamen Genuss, gepaart mit einer Prise Ironie und gesellschaftlicher Selbstbetrachtung.

Ein Fest der Gemeinschaft

Das White Dinner steht für Zusammenhalt und die Magie eines gemeinsamen Moments.

Ein Beispiel dafür war das White Dinner der Scheibenschützengesellschaft Kaarst im Hoferhof, das am 5. Juli 2025 um 19 Uhr stattfand. Inmitten des idyllischen Gartens, geschützt durch das geöffnete und dekorierte Zelt, erwartete unsere Schützen und Damen ein warmer Sommerabend mit einem exquisiten 3-Gänge-Menü der renommierten Chefköche Joachim und Martin Eisenberger, die für den Gourmetgroßhandel Bosfood in Meerbusch tätig sind.

Begleitet wurde das Menü von erlesenen Weiß- und Roséweinen sowie einem erfrischenden Cremant Aperitif. Die Atmosphäre wurde durch die stilvolle Dekoration, den professionellen Tischservice, Musik und Tanz abgerundet. Der Abend fand um 22:30 Uhr mit dem gemeinsamen Entzünden von Wunderkerzen seinen Höhepunkt.

 

Die Teilnahme war küchen- und servicebedingt auf 50 Personen begrenzt. Für einen Kostenbeitrag von 50 Euro pro Person erhielten die Gäste nicht nur das Menü, sondern auch Weißwein, Rosé oder Rotwein, Wasser und die besondere Atmosphäre des Events. Auf Buffet und Bier wurde hier bewusst verzichtet, um speziell unseren Damen, die unser Brauchtum das ganze Jahr so toll unterstützen, einen stilvollen Abend ohne eigene Mitwirkung aus großer Wertschätzung und Dankbarkeit zu widmen.

Die Veranstaltung lebte von der Vielfalt der Gäste, die in eleganter weißer Kleidung erschienen und so die Schönheit unterschiedlicher Perspektiven widerspiegelten. Das White Dinner war ein stilvolles Fest erlesener Kulinarik, gepaart mit ausgelassener Freude, das Freundschaften vertieft und die Gemeinschaft gestärkt hat.

 

Die ironische Kehrseite eines White Dinners

Doch so charmant ein White Dinner auf den ersten Blick wirkt, es lädt auch zu kritischen Betrachtungen ein.

Die Idee, sich komplett in Weiß zu kleiden, wie auf einer royalen Bühne zu speisen, hat auch etwas Absurdes. Die Teilnehmer, oft in aufwendig zusammengestellten Outfits, bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Ernsthaftigkeit und Verkleidung. Männer kämpfen mit dem Zuhälterlook oder wirken wie aus einem Rosamunde-Pilcher-Roman entsprungen, während Frauen in wallenden Kleidern und nicht selten auffälligen Hüten an Werbespots für Luxusprodukte erinnern.

Die Speisen – oft ebenfalls weiß, wie z.B. Sekt, Scholle auf Spargel oder Béchamelsauce – sollen die Ästhetik unterstreichen, die manchmal mehr an eine Hochzeit als an ein Picknick erinnert.

Die Veranstaltung, die ursprünglich als innovative Form des gemeinsamen Essens begann, wird von Kritikern als Ausdruck von „weißem Wohlstand“ gesehen. In einer Welt, in der Individualität oft durch exzentrische Outfits in Berliner Bars ausgelebt wird, wirkt das White Dinner wie ein uniformierter Gegenentwurf. Alle fotografieren sich, alle fühlen sich wie die Hauptdarsteller eines glamourösen Moments, während im Hintergrund Gespräche über Projekte, sensible Katzen oder die moralische Verpflichtung, Geflüchtete aufzunehmen, geführt werden – oft ohne konkrete Taten zu folgen.

Sehnsucht nach Weißwaschung?

Die Wurzeln des White Dinner liegen in Paris, wo die Liebe zum guten Essen tief in der Kultur verankert ist. Doch warum ausgerechnet Weiß? Die Farbe symbolisiert Reinheit, Einheit und Eleganz, doch die Kritik fragt: Muss Gemeinschaft immer so weiß gewaschen sein? Eine Veranstaltung in Rot, mit blutigen Steaks, Erdbeertorte und Rotwein, wäre vielleicht lebendiger, weniger steril und würde Kleckern verzeihen. Vor allem aber würde sie die Vielfalt der Teilnehmer – auch jener, die nicht nur ihren Teint dem letzten Urlaub an der Côte d’Azur verdanken – weniger stark kontrastieren lassen.

Das White Dinner ist zweifellos ein beeindruckendes Spektakel, das Gemeinschaft und Genuss feiert. Doch es bleibt auch ein Spiegel der Gesellschaft, in dem sich Wohlstand, Ästhetik und die Sehnsucht nach Einheit widerspiegeln – manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal mit einem Hauch von Sarkasmus. Es lädt ein, die Freude am Miteinander zu genießen, aber auch, über die Bedeutung von Farben, Konventionen und echter Inklusion nachzudenken.

 

Am 5. Juli 2025 haben trotz oder gerade auch wegen dieser kritischen Gedanken 50 Kaarster Scheibenschützen mit ihren „Herz“damen einen sehr stimmungsvollen Abend im romantischen Garten des Hoferhofes gefeiert. Es wurde ausgelassen bis weit nach Mitternacht getanzt, zuvor hervorragend gespeist und in bester Weinlaune Freundschaft und Schützenlust zelebriert.

Der Wunsch nach Wiederholung des Formats war einstimmig und unüberhörbar, jedoch soll das Motto einmalig bleiben. White Dinner kehrt in 2 Jahren unter einem anderen Motto wieder, mit gleichem Anspruch an Kulinarik, Service, Freundschaft, Tanz und Wunderkerzen zum Abschluss, ob in Rot mit blutigen Steaks als „Argentinischer Abend“ (entdecke den Gaucho in Dir), ob als „Bretonischer Abend“ mit eisgekühlten Austern, frischem Fisch und Sauvignon blanc oder als „Schwedischer Abend“ mit gebeiztem Lachs und ABBA Songs.

-Wolfram Kreutz-

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